Tolerante Hundehalter

Achtung: Ein bisschen bissig!

Als ich von Axel die Einladung bekommen habe, bei der Aktion „Fair mit Hund“ mitzumachen, habe ich direkt zugesagt. Schließlich habe ich selber zwei Hunde und kann dazu bestimmt einiges erzählen.
Kurz darauf kommen jedoch  Zweifel. Verantwortungsvolle Hundehalter, Rücksicht, Toleranz – bei mir schrillen die Alarmglocken!

Bilder von sich beschimpfenden Hundehaltern tauchen vor meinem geistigen Auge auf. Endlos-Diskussionen in Facebook-Gruppen, wie nun die einzig richtige, artgerechte Erziehung des Hundes auszusehen hat.

Von Toleranz, Rücksichtnahme und Verständnis fehlt bei vielen dieser Diskussionen oft jede Spur. Toleranz wird so lange geübt, solange die Meinung des anderen der eigenen möglichst nahe kommt. Tut sie das nicht, wird missioniert.

Wenn schon die Stimmung zwischen Hundefreunden so aufgeheizt ist, wie soll ich da einen Artikel über verantwortungsvolle Hundehalter schreiben?

Die Gefahr, mich in die Nesseln zu setzen, ist verdammt hoch, aber ich mag das Abenteuer und wage es …

Eine Exkursion nach Spanien

Vor drei Jahren habe ich 15 Monate lang mit meinen Hunden in Spanien gelebt.
Dort hatten wir alles, was das Hunde- und Menschenherz begehrt: Riesige Wälder für schattige Spaziergänge, Seen zum gemeinsamen Baden, Strände zum Herumtollen und in den Städten Spender für Kotbeutel, um – ihr wisst schon.
15 Monate hatten wir das Paradies auf Erden und selbst, wenn wir mal einen Ausflug in eine Stadt gemacht haben, waren die Menschen zu uns und den Hunden immer freundlich und gelassen.

Von den vielen positiven Erlebnissen, die wir dort gemacht haben, schwärme ich bis heute.

Von einem Fettnäpfchen ins nächste

Dann komme ich zurück nach Deutschland und stoße schon nach wenigen Tagen an meine nervliche Belastungsgrenze. Da raunzt mich jemand an, weil ich nicht schnell genug den Haufen wegräume. Dort meckert jemand, dass meine Hunde frei laufen, obwohl sie es in dem Gebiet ausdrücklich dürfen. Hier schreit mir ein Hundehalter zu, dass ich gefälligst meine Hunde anleinen soll. Dort ruft mir einer zu, ich solle sie gefälligst ableinen.
Vor lauter individuellen Befindlichkeiten meiner Mitmenschen weiß ich gar nicht mehr, wo ich zuerst anfangen soll.

Rücksicht – Verständnis – Toleranz

Ganz ehrlich, wenn ich bei jeder Begegnung Verständnis und Toleranz für das teilweise sehr seltsame Verhalten meiner menschlichen Artgenossen aufbringen müsste, dann wäre ich bald ein Wrack!
Es allen recht zu machen, ist schier unmöglich, also bleibt mir nur ein Weg: Ich verlasse mich auf meinen gesunden Menschenverstand!

Mit meinen 40 Jahren wird es mir wohl möglich sein, mich mit meinen Hunden durch den deutschen Alltagsdschungel zu wurschteln?
Selbstverständlich nehme ich Rücksicht, habe für viele Dinge Verständnis und übe mich in Toleranz. All das sind Dinge, die für mich zu einem vernünftigen Miteinander in einer Gesellschaft dazugehören, ob mit Hund oder ohne.
Klar ist aber auch, dass es in einem Land wie Deutschland, in dem so viele Menschen und Hunde auf recht engem Raum leben, zu Konflikten kommt.

Ich habe deshalb nicht vor, mit meinem Hunden ein Schattendasein zu führen oder ständig ein schlechtes Gewissen zu haben, weil sich wieder einmal jemand über etwas aufregt.

Shit happens

Wenn mal etwas Dummes passiert, dann entschuldige ich mich. So wie neulich, als Jule zum ersten Mal in ihrem Leben ein Huhn gejagt hat. Auf einmal höre ich mich sagen „das hat die echt noch nie gemacht“, als ich mich bei dem Bauern dafür entschuldige.
Seine Reaktion fand ich übrigens klasse. Er sagte, dass das halt vorkommen kann, schließlich sei ein Hund auch nur ein Hund. Kein Theater, keine Beschimpfungen – am Ende haben wir uns freundlich voneinander verabschiedet. Dem Huhn geht es übrigens gut …

Ich komme zum Schluss noch einmal auf das Wort Toleranz zurück.
In einem Zitat heißt es:

Toleranz ist vor Allem die Erkenntnis, dass es keinen Sinn hat, sich aufzuregen“ (Ambrose Gwinnett Bierce).
Mit dieser Definition kann ich leben und würde mir wünschen, dass wir uns alle in etwas mehr Gelassenheit üben. In diesem Sinne: habt Spaß mit euren Hunden!

Über die Autorin:
Nima hat hat 15 Monate in Spanien gelebt und dort das gemacht, was man in Spanien kann: Klettern und Bouldern. Dort hat sie auch die andere Seite des Hundehalter-Seins kennen gelernt: Leben und leben lassen. Sie ist Bloggerin auf abenteuer-spanien.com.

Bild: Nima Ashoff

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Das Projekt Fair auf Pfoten wurde im Juni 2015 ins Leben gerufen.

4 Gedanken zu “Achtung: Ein bisschen bissig!

  1. Axel schreibt:

    Hallo Nima!

    Ich habe mich sehr gefreut, dass Du so spontan zugesagt hast. Dein Beitrag zeigt ja deutlich, dass Du zu diesem Thema eine erfrischend deutliche Meinung vertrittst.

    Ich habe für mich den Ansatz mitgenommen, dass ich auch kein „Schattendasein“ führen möchte, nur weil ich einen Hund besitze.

    Je länger und intensiver ich mich mit diesem Thema beschäftige, desto mehr erfahre ich über gleichgesinnte Hundehalter, die es (Gott sei Dank!) in großer Zahl gibt.

    Gruß Axel

  2. Anke schreibt:

    Hallo Nima, Andy und Axel,

    ich stand und stehe dem Projekt ja etwas skeptisch gegenüber, das gestehe ich. Das hat damit zu tun, dass man immer in so eine belehrende Position kommt, wenn man anderen erzählen möchte, was man selber toll macht (und impliziert dass sie es eben nicht tun). Aber genau deshalb gefällt mir der Artikel von Nima richtig gut. sie drückt aus, was ich denke. Am besten drückt es eigentlich das Zitat am Ende aus: „Toleranz ist vor Allem die Erkenntnis, dass es keinen Sinn hat, sich aufzuregen“. Danach versuche ich einfach zu leben. Das beinhaltet für mich, dass ich selber Fehler mache und andere auch. Ich versuche meine nach Möglichkeit zu vermeiden und versuche anderen, ihre nachzusehen. Austausch finde ich wichtig. Allerdings ohn Belehrung.

    In diesem sinne vielen Dank euch dreien für einen schönen Artikel, den ich mal gleich auf Lucies Hundefutterblog geteilt habe 😀

    Liebe Grüße
    Anke

    • Axel Löwenstein schreibt:

      Hallo Anke!

      Rücksicht zu nehmen, Verständnis zu üben und tolerant zu sein, ist aus unserer Sicht nicht belehrend. Wir kümmern uns ganz ausdrücklich um unsere eigenen Pflichten als Hundehalter und implizieren dabei rein gar nichts. Sollte das so rüberkommen, tut uns das sehr leid, weil das nicht im Ansatz unserer Philosophie entspricht.

      Wir freuen uns über dein Feedback und sind genau so erfreut darüber, dass wir von zahlreichen Leser und Unterstützern nicht als belehrend empfunden werden.

      Gruß
      Andy und Axel

  3. Dominique schreibt:

    Hallo Zusammen….
    ich besitze zwei Hunde, eine Labrador Dame und eine Steffi Mix (wobei der Steff deutlich zu erkennen ist). Ich denke mal, dass jeder weiß, dass die die Steffis zu den Listenhunden zählen und einen nicht besonders guten Ruf mit sich bringen.
    Da waren wir mal eines Tages spatzieren, als ein russischer Terrier Rüde unseren Weg kreutzte und direkt meinte er müsse sich Heck unserer Dame zu schaffen machte.
    Was glaubt ihr wie unsere Dame reagiert hat??
    Genau… sie meinte nur „Der tut nix“, nur als der gute Junge nicht von unserem Mädchen ablassen wollte und auch nicht auf das Rufen des Frauchens reagierte, hat unsere Dame den Lustmolch Zähne flätschend und mit lautem getöse verbellt…. genau das was eigentlich jede Frau machen würde wenn sie von einem Fremden belästigt wird!!
    Das andere Frauchen hat das garnicht verstanden und drohte promt mit dem Ordnungsamt und das man solche „Bestien abschlachten“ muss…
    Da Frage ich mich wirklich: Was ist das ? Ist das Unwiisenheit, Verständnisslos, oder was??
    Hat nicht jeder Hund egal ob Listenhund oder nicht das Recht sich zu verteigen oder andere zurechtzuweisen??

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