Tipps für mehr Verständnis

Die besten Tipps für mehr Verständnis

Als die Idee für die Initiative „Fair auf Poten“ unter den Dogbloggern aufkam, war ich sofort Feuer und Flamme. Wer ist denn nicht für mehr Rücksicht, Verständnis und Toleranz? Im Alltag mit Hund gibt es häufig Zündstoff. Und das auf allen Seiten. Auf nahezu jedem Hundeblog wurde dem Ärger schon mal Luft gemacht und um mehr Rücksicht gebeten. Auch in meinem Alltag mit Terrier Dame Lotta gibt es genügend Schreibstoff. Also bot ich mich vollem Enthusiasmus als Gastbloggerin an.

An die eigene Nase fassen… gar nicht so einfach

Andy fragte also, worüber ich schreiben wolle. Meine Antwort: „Eine Situation in der ich vielleicht selbst nicht nachgedacht habe und eine in der ich mir mehr Rücksicht von anderen wünschen würde.“ Andy war für Ersteres und daraufhin war die Leitung zwischen uns ersteinmal tot. Meine Kreativität war nämlich auf einen Schlag verpufft. Eine Situation in der ich selbst mehr Rücksicht hätte nehmen sollen? Ich nehme doch immer Rücksicht! Ja ok, Lotta hat schon mal eine Frau vom Fahrrad geholt, aber hey – shit happens, oder? Das reicht ja niemals für einen ganzen Artikel. Insgeheim war meine Vorstellung von dem Artikel ungefähr so: ich beschwere mich über das Verhalten anderer, appelliere an die Menschheit für mehr Rücksicht und im Nebensatz erwähne ich, dass mir auch schon mal ein Fehler unterlaufen ist…

Der Hundestarrer

Als Lotta noch nicht da war, ich aber einen großen Hundewunsch hatte, habe ich sehr oft Kontakt zu Hundehaltern, oder besser gesagt zu ihren Hunden gesucht. War irgendwo ein Hund habe ich diesen angeflirtet, Blickkontakt gesucht, mich heruntergebeugt oder ihn gestreichelt. Der Hund wedelte mit dem Schwanz und zog in meine Richtung. Das Eis war gebrochen. Um den fremden Hundehalter direkt anzusprechen war ich meistens doch eher zu schüchtern. Das ist ja eigentlich auch das schöne an Hunden: Man kommt viel schneller und einfacher mit Menschen in Kontakt. Daraufhin habe ich mich dann häufig mit den Haltern über den Hund, die Rasse und andere Themen ausgetauscht.

Viele Halter haben aber wiederum sehr ablehnend reagiert oder mich ignoriert. Damals konnte ich das überhaupt nicht nachvollziehen. Heute, mit einem eher unsicheren Hund, rege ich mich über genau solche Leute die Lotta anstarren oder aus einer Übung ablenken auf.

Was denken sich die Leute dabei?

Tja was habe ich mir damals dabei gedacht? Genau: nichts. Ich war super unbedarft. Dass es Rassen und Charaktere gibt, die von Fremden nicht gerne gestreichelt werden, darüber habe ich gar nicht nachgedacht. Dass sich ein Hund durch mein Anstarren provoziert fühlen könnten, kam mir gar nicht in den Sinn. Auch dass ein Hundehalter vielleicht gerade übt oder froh ist, weil sein Hund im Restaurant entspannt liegt, war mir nicht im Geringsten bewusst.

Wenn ihr euch also beim nächsten Mal fragt was sich Euer Mitmensch „dabei“ denkt, dann lautet die Antwort vermutlich : „Nichts“. Wahrscheinlich hat euer Gegenüber sich keine Gedanken gemacht oder vermutlich hat er selbst mit seinem eher unkomplizierten Hund noch keine richtig negativen Erfahrungen gemacht.

Wenn ich nun an die Alltagssituationen mit meinem Hund denke, die mich aufgeregt haben, sind diese meist auf Unwissenheit und Unbedarftheit meines menschlichen Gegenübers zurückzuführen.


Was könnt ihr tun?

Ja das ist ja alles gut und schön denkt ihr euch vermutlich. Aber wie geht ihr in der Zukunft mit solchen Situationen um?

Schritt 1:  die Situation entschärfen

Ruhig und freundlich

Nach einem Beißvorfall habe ich ängstlich, panisch, hysterisch oder auch sehr unfreundlich Leute gebeten ihre Hunde nicht zu meinem zu lassen. Meine Erfahrung zeigt, dass man mit Hysterie in der Stimme gar nicht mehr Ernst genommen wird („Wieder so ne Hysterische mit einem Schoßhündchen“). Seitdem ich meine Bitte ruhig und freundlich vorbringe, habe ich bessere Erfahrungen gemacht.

Entschiedenes Auftreten

Freundlichkeit schließt ein souveränes Auftreten nicht aus. Auch wenn das vielleicht nicht ganz höflich ist, je nach Situation ist meine Bitte eher als Anweisung formuliert. Ich bitte nicht nur höflich darum, ich fordere  auch ein, meine Grenze zu respektieren. Zeit für Diskussion ist nicht und das darf meiner Meinung nach auch ruhig in Wort und Ton deutlich werden.

Nicht rechtfertigen

Jeder hat es schonmal erlebt: Man bittet zum Beispiel darum, einen fremden Hund nicht an seinen Hund zu lassen, worauf nicht ein sofortigen Rückruf folgt, sondern irgendeine andere Reaktion folgt (Klassiker:“Der tut nix!“). Zu Beginn habe ich gerne prophylaktisch Erklärungen und Rechtfertigungen an meine Bitte angschlossen: Mit ansteckenden Krankheiten, Angst, Läufigkeit usw. hatte ich keinen durchschlagenden Erfolg.

Was hilft: Entweder ruhig die Bitte zu wiederholen. Oder (mittlerweile mein Favourit) „Die beißt“. Das führt meistens zu einer schnellen Reaktion und ist kein Bluff. Zumindest kein vollwertiger. Lotta würde schnappen, wenn sie zu sehr bedrängt würde. Wenn Kinder, nach meiner Bitte den Hund nicht zu streicheln, weiter auf Lotta zulaufen ergänze ich gerne, dass sie beißt und der Finger dann ab ist. Das ist natürlich übertrieben, aber sehr wirkungsvoll und funktioniert auch bei unwissenden Erwachsenen 😉

Schritt 2: Erklären

Ist die Situation erst mal wieder unter Kontrolle, ist Zeit für Erklärungen. Viele Leute wollen wissen, warum sie nicht streicheln oder die Hunde nicht spielen dürfen. Deswegen fragen sie ja auch. Wenn die Leute dann verstanden haben warum ich etwas nicht möchte, stoße ich im Nachhinein dann doch oft auf Verständnis. Verständnis kommt eben von verstehen. Mit deiner geduldigen Erklärung kannst du so nachhaltig für mehr Fairness für Pfoten sorgen.

Wenn du also das nächste Mal auf einen unbedarften Erdenbürger triffst, sei tolerant und versuche die Situation ruhig zu klären. Wahrscheinlich ist er sich seiner Schuld nicht bewusst. Wenn dein Gegenüber deine Bitte dann verstanden hat , kann er beim nächsten Mal auch Rücksicht nehmen.

Über die Autorin:
Anne, 26 bloggt auf ihrem jungen Hunde- und Lifestyleblog „Lottaleben“ über das Leben mit Parson Jack Russel Terroristin Lotta.

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Das Projekt Fair auf Pfoten wurde im Juni 2015 ins Leben gerufen.

5 Gedanken zu “Die besten Tipps für mehr Verständnis

  1. Andy schreibt:

    Schöner Gastbeitrag, liebe Anne. Ich danke dir für deinen wunderbaren Artikel :) Er zeigt, dass auch Hundehalter ein Leben vor dem Hund hatten und dass sie früher vielleicht selbst unbedarft gehandelt haben. Deine Tipps für ein besseres Miteinander sind super :)

  2. Liz schreibt:

    Find ich ne sehr gute Einstellung, mein Hund mag nichts was schnell, laut oder zappelig ist, da wurde schon das ein oder andere hektische Kind angebellt, und da kommt meistens gleich ganz viel unverständnis, der Hund sei schlecht erzogen, blabla.. Das man als eltern vllt auch darauf achten sollte wie ein Kind auf einen Hund zugeht, und vorallem dass vllt nicht alle Hunde Kinder mögen kommt den wenigsten in den sinn..
    Aber mit der Taktik werd ichs mal versuchen 😉

  3. Nina schreibt:

    Liebe Anne

    Du hast es so schön beschriebene wie es wahrscheinlich des meisten Hundehaltern – wenn sie daran zurück denken – gegangen ist. Wenn ich an meine Zeit als Nichthundehalter und großen Hundefreund zurück denke könnte ich mir nicht nur einmal gegen den Kopf schlagen wie rücksichtslos und unebdacht man an manche Situationen herang gegangen ist oder anderen innerlich den Nerv gezogen hat. Heuzte, als Mitglied eins sehr chaotischen Hunde-Mensch Teams, denke ich darüber anders. Meine Hündin spiegelt in vielen Situationen meine eigene Persönlichkeit wieder (jedenfalls hab ich das schon oft gehört gg) von unsicher, hysterisch bis zu offen-liebevoll und übergedreht. Während andere Hundehalter ihre Hunde wilrd umhertollen lassen ohne ihnen Beachtung zu schenken verbringen wir unsere Zeit auch gerne mal nur zu zweit an der Leine oder in einem Teamspiel – was bei anderen aug komplettes Unverständniss stöß wenn man doch soviele andere Hunde zum freien spielen zur Verfügung hätte. Was dabei niemand erwähnt ist: keiner der Hundehalter beobachtet das Verhalten seines Hundes oder die Körpersprache oder versucht etwaige Situationen zu entschärfen – bis etwas passiert. Meine Hündin hat schon einige schlechte Erfahrungen gemacht mit Hundegruppen (obwohl sie in großen Hundegruppen als Rettungshund arbeitet jedoch ist das etwas anderes) und reagiert möglicherweise unischer, ängstlich oder sogar mit Abwehrhaltung und Agression. Verständniss oder Toleranz gibt es hierfür keines und in besonders schlimmen Fällen wird das Rudel dann trotz allem einfach los gelassen.

    Ich muss dir schon Recht geben – sich zu Rechtfertigen hat leider keinen Sinn – das musste ich bereits erkenn – doch habe ich früher nicht anders gedacht und muss mich dann auch an der Nase nehmen.
    Deine Tipps muss ich beim nächsten Spaziergang unbedingt probieren – vielleicht ist es manchmal besser seiner Umwelt einen : Der beißt! Eindruck im vorhinein zu hinterlassen amit beide Parteien eine angenehme Koexistenz führen können als sich in einem wilden Gewusel wieder zu finden oder sich in seinem Training beeinflussen zu lassen.

    Danke Anne für deinen schönen Artikel

  4. Lottaleben Anne schreibt:

    Hallo liebe Nina,

    vielen Dank für deinen Kommentar und das Lob zu meinem Artikel. Das freut mich sehr.

    Manchmal hilft eben nichts anderes als „der beisst“. Ich lese gerade „Das andere Ende der Leine“. Dort ist genau diese Situation beschrieben. Die Autorin sagt auch, dass unser Begrüßungsritual mit drüberbeugen und anfassen sehr in unserer Spezies verankert ist. Und sie schlägt sogar einen Lösungsweg vor wenn sich Menschen auf den Hund zubewegen. Sie wirft dem Menschen mit den Worten „Würden Sie meinem Hund ein Leckerli geben“ einen Hundekeks zu. Dieser fängt ihn reflexartig auf und die Situation kann auch für den Hund in etwas positives gewandelt werden. Das werde ich auf jeden Fall mal ausprobieren. Vielleicht ist das auch was für dich oder für andere die diesen Kommentar lesen.

    Viele Grüße, Anne

  5. Suse schreibt:

    Liebe Anne, gerade habe ich deinen Artikel gelesen. Es ist echt Wahnsinn wie ähnlich die Erfahrungen als Hundehalter/in sind. Ich selbst habe zwei kleine Chihuahuamädels und merke immer wieder, dass ich nicht wirklich ernst genommen werde. Ich habe beim Lesen deines Artikels bemerkt, dass auch ich mich gerne rechtfertige (bitte leinen Sie Ihren Hund an, meine Hündin ist läufig usw.) Aber warum eigentlich? Seit einiger Zeit hat ein „eigentlich freundlicher“ Hundebesitzer aus der Nachbarschaft einen Schäferhund. Dieser läuft grundsätzlich frei herum und rennt gezielt auf meine beiden Hunde drauf zu, um sie mit vollem Speed zu rammen. Ich weiß, es hört sich seltsam an, aber es ist so. Auf meine Bitte den Hund anzuleinen, weil meine beiden nun total ausrasten an der Leine, sie können sich ja nicht entfernen, wird gar nicht reagiert. Ich versuche grundsätzlich ruhig zu bleiben, aber ich kann nichts gegen meine Wut innerlich. Ich fühle mich da momentan echt ohnmächtig und weiß nicht so genau mit der Situation umzugehen. Ich habe schon so oft bemerkt, dass die anderen sich gar keine Gedanken darum machen, dass so kleine Hunde echt ganz schnell lebensbedrohlich verletzt werden können. Leute mit großen Hunden brauchen ja keine Bange um ihren Hund zu haben… Um Distanz zu erhalten nützt der Satz „die beißen“ leider nichts. Da werde ich eher ausgelacht…

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