tanzen

5 Gründe, warum Namen tanzen auch mit deinem Hund funktioniert

Ganz ehrlich: ich kenne fast alle Vorurteile gegenüber der Waldorf-Pädagogik. Ich habe ein wenig Einblick in die „Szene“ und schicke sogar meine Kinder in entsprechende Institutionen. Ein Wahnsinn, mag der ein oder andere denken. Doch die Erziehung von Kindern und Hunden hat viel gemeinsam! Deswegen sind hier meine fünf Gründe, warum Du als guter Hundeführer vermutlich viel mehr Waldorf auslebst als Du denkst…

Rhythmus, Wiederholung und Regeln

Nein, damit ist nicht das gemeint, was Du jetzt denkst. 😉 Jedoch schätzen wir alle, dass jedes Jahr Weihnachten ist. Oder der Sommerschlussverkauf. Oder Karneval. Das gibt uns ein Zeitgefühl und einen gewissen Ablauf im Jahr und im Leben. Alles, was sich wiederholt, fühlt sich irgendwie sicherer und geborgen an, nicht ständig neu und unbekannt. Das mögen Erwachsene, Kinder und auch Hunde. Nur brauchen letztere es in kleinem Maßstab. So ein Hund weiß ja nix von Festivitäten. Jeden Tag spazieren gehen, zur selben Zeit Futter, ähnliche Ruhezeiten. Das hilft, vor allem den gestressten und ängstlichen Hunden.

Waldörfler sind auch alles andere als antiautoritär. Das wird zwar immer behauptet, weil es so schön in die Öko-Wollstrumpf-Hippie-Sekten-Ecke passt. Aber mein Kind meinte neulich: „Menno, in der Schule muss ich immer so viele Regeln beachten, da kann man doch mal eine vergessen.“ Ja, Recht hat er. Aber Regeln sind wichtig im Umgang mit und zwischen Menschen und -Du ahnst es- Hunden. Er muss sich verlassen können auf das, was gilt. Konsequenz ist Verlässlichkeit auf bereits Gesagtes und nicht die oft suggerierte Strafe bei Fehlverhalten. Menschen und Hunde brauchen verlässliche Regeln.

Individualität

Ganz wichtig in der Waldorf-Welt. Gut erkennbar an vielen Kunstwerken und Gemälden, die natürlich alle unterschiedlich sind. So wie die Kinder und die Hunde! Trau Dich, anders zu denken. Das Clickertraining ist nicht für jeden Hund etwas. Stachelhalsbänder sind nie gut und Agility kannst Du mit einem Neufundländer nur begrenzt ausführen. Deswegen musst Du als Halter DIE fairen Lern- und Erziehungsmethoden finden, die für EUCH beide passen. Das können auch die Rosinen aus jeder stringent vertretenen Lehre sein. Richtig ist, was respektvoll und fair ist und bei Euch zum gewünschten Ziel führt. Ein guter Hundetrainer weiß das.

Beziehung

Also früher, in meiner Schulzeit, da fand ich die Lehrer am coolsten, die witzig, kreativ und auch ein bisschen streng waren. Die meinen Namen kannten und sich auch was von mir gemerkt haben. Sie sind in Beziehung zu mir getreten und ich habe nicht weniges nur deswegen gemacht, weil sie mich darum baten oder mich motivierten und mir immer mal wieder das Gefühl gaben, dass ich in Ordnung bin. Da könnte man es ja fast glauben…! So funktioniert es bei Kindern und auch bei Hunden. Wer nur von oben runterbrüllt und seine Macht über das ihm anvertraute Lebewesen auskostet, der hat vielleicht (!) einen braven Hund. Aber das hat nichts mit Respekt, Spaß am Leben und Lernen und Vertrauen zu tun. Die Frage nach dem „Warum“ (warum verhält er sich jetzt so?) sollte Dir stets auf den Lippen liegen. Und: einfach mal lieb und verständnisvoll  sein und nicht übertrieben pädagogisch wertvoll.

Vorbild und Nachahmung

Eines vorneweg. Ich bin kein Hund. Also kann ich nur bedingt ein Vorbild für meinen Hund sein. Es wird die ein oder andere Verhaltensweise geben, die er sich mit Training abguckt. Vorbild und Nachahmung treffen mehr das menschliche Problem am Ende der Leine. Viele Menschen ahmen andere nach. In der Gruppe ist man stark etc. Bei Kindern ist das natürlich ebenso und viel ausgeprägter. Ich kann noch so viel erzählen – wenn ich es anders MACHE, dann hätte ich mir das monologisieren sparen können. Ich bin als Hunderhalter also auch Vorbild für andere. Wenn andere den Output ihres Hundes nicht aufheben, brauch ich es auch nicht. Wenn andere Elektrohalsbänder nehmen, braucht mein Hund das wohl auch. Aber: wenn dieser Besitzer gut zu seinem Hund ist… vielleicht funktioniert das bei mir auch? Bisher bin ich nicht weitergekommen mit meinen Methoden… Wenn der andere Besitzer seinen Hund an die Leine nimmt, sollte ich das vielleicht auch…? Selbsterziehung ist ein Grundpfeiler der Waldorf-Pädagogik. Andererseits verbucht nicht eine spezielle Pädagogik diese Erkenntnis. Das gilt in vielen Bereichen und ist äußerst wirksam. Kann aber auch weh tun, sich den Spiegel vorzuhalten.

Zu guter Letzt: den Namen tanzen

„Dann kann Dein Kind bestimmt seinen Namen tanzen?“

„Ja sicher!“ sage ich dann. „Und sogar schon in zwei Fremdsprachen!“

Man muss die Eurythmie, das ist diese spezielle Bewegungsform, nicht mögen. Aber sie birgt viel Potenzial, seine Gefühle „raus“ zu lassen. Das täte vielen Menschen gut, einen Weg zu finden, mit den eigenen doofen Gefühlen umzugehen. Da hätten Alkohol, Drogen und Gewalt deutlich weniger Nährboden. Nun lernen die Kinder also, sich nach Rhythmus und Takt zu bewegen. Man könnte es auch Aerobic nennen oder Ausdruckstanz. Egal, wie es heißt, es hilft, einen Bezug zu seinem Körper zu finden, in sich anzukommen und seine Erlebnisse zu verarbeiten. Wer mit sich im Reinen ist, schenkt auch seinem Hund einen stressfreien Raum. Denn der will uns ja gefallen und liest unaufhörlich unsere Stimmung, Gestik und Mimik. Geh also tanzen oder zappel vor dem Radio rum! Und vielleicht macht Dein Hund ja mit.

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Echtes Sauerländer Mädchen mit rheinischen Einflüssen. Kümmert sich täglich um Mann, zwei Kinder und einen zuckersüßen Angsthund - und viele andere tolle Dinge.

2 Gedanken zu “5 Gründe, warum Namen tanzen auch mit deinem Hund funktioniert

  1. Susanne schreibt:

    Nein, mögen muss „man“ Eurythmie nicht, warum auch. Mag auch nicht jeder Ballet oder Oper oder Basketball. Ich finde die Sache mit den Gefühlen gar nicht so im Vordergrund. Das ganz große Argument (für mich als Waldi und Waldimutter) ist vor allem, die Entwicklung des Gehirns. Da bewegt man sich nach Sprache oder Musik, später sogar nach merkwürdigen Zeichen auf einer Tafel. Wenn das nicht Synapsenbildung in Reinkultur ist! Die vielen zusätzlichen Synapsen helfen auch bei Mathe und Deutsch. Übersetzt für den Hund ist das im Prinzip alles, was das Einüben von Abläufen ist. Mit dem Hund auf einer Welle schwimmen, ein Blick und der Hund weiß, was man von ihm will (im Übrigen ist die Sache mit dem Namen tanzen doch nun wirklich ein alter und ziemlich doofer Hut)

  2. Silke Schön schreibt:

    Liebe Susanne,
    das musst Du mir nicht erzählen, was für ein alter Hut das ist. 😉 Und trotzdem ist es DAS Vorurteil, das einfach jeder erstmal bringt. Es nervt total, oder? Das mit der Gehirnentwicklung erkläre ich auch oft. Wenn man es so wissenschaftlich sieht, dann hören manche Menschen eher zu. Leider erst dann.
    Ich bin glücklich in der Waldorf-Welt und die Kinder auch. Also kann es nicht so verkehrt sein. Und trotzdem treib ich mich im ganz viel Internet rum. Es ist eben vieles möglich. :-)
    Alles Gute und danke für Deinen schönen Kommenar!
    Silke

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