Hundehalter für mehr Akzeptanz

Ist Akzeptanz so schwer?

„Temperaturen ab 25°C machen mir zu schaffen“ – „Wieso?“ fragt mich mein Gegenüber. Ich beginne mit „Weil …“ und es folgt einer Rechtfertigungskette die schier nie enden will. Nachdem ich mich verteidigt habe, bin ich mir nicht sicher, ob er mich wirklich verstanden hat.  Ich frage mich, wieso ich mich eigentlich rechtfertigen muss. Und wieso ich es getan habe. Hätte ein „Weil das so ist“ nicht auch als Antwort gereicht? Und wieso werde ich trotzdem gefragt ob ich mit an den See will, nachdem ich gerade erklärt habe dass es mir schlecht geht, wenn es zu heiß ist und wir heute draußen 30°C haben?

Situationen wie jeder Mensch sie kennt

Das ist ein Beispiel, wie es jeder Mensch kennt und man lernt damit umzugehen. Man sagt dann noch mal ausdrücklich „Nein, ich will nicht zum See“ und zur Not kann man sich noch wie ein kleines Kind zu hause einschließen. Niemand kann einen dazu zwingen. Man ist höchstens ein Spielverderber. Mir egal, ich bin lieber ein Spielverderber als dass ich einen Kreislaufkollaps bekomme.

Rechtfertigung auf Hündisch

Bei Hunden läuft die Sache irgendwie anders. Man geht durch die Gassen – sein Hund an der Leine. Plötzlich kommt ein unangeleinter Hund daher: Der Gehweg ist eng, man weiß genau dass es kein optimaler Ort für eine Hundebegegnung ist, da Hundebegegnungen eher dort stattfinden sollten, wo Ausweichmöglichkeiten bestehen. Außerdem kennt man seinen Hund und wird wissen was als Nächstes passiert. Vor allem ist es nicht optimal, wenn ein Hund in einer viel besseren Situation – nämlich ohne Leine – ist und der andere nicht, da angeleint. Ich bitte den anderen Hundehalter seinen Hund nicht zu meinem zu lassen. „Wieso?“ werde ich gefragt.

Ich beginne mit „Weil…“ und ehe ich mich rechtfertigen kann, ist es auch schon geschehen: der Hund stürmt gerade – von Angesicht zu Angesicht – auf meinen zu. Keine typische Situation, denn hätten beide Platz, würden sie sich seitlich nähren. Mein Hund fühlt sich eingeengt, wird leicht hektisch. Ja, hektisch würde ich auch werden, wenn ein Hund wie ein Pfeil mit aufgestellten Nackenhaaren und hochgestelltem Schwanz auf mich zugeschossen kommt.

Auf Grund dass mein Hund so aufgeregt ist, ist der andere Hund schnell auf 180 und zeigt ihm körperlich, dass diese Aufregung total Fehl am Platz ist. Indem er ihn tackert. „Darum!!!!“ schrei’ ich. Ja – ich schreie. Eigentlich hätte ich ruhig bleiben sollen. Dass ich vorher gebeten habe, dass es nicht zu einem Kontakt kommt, bringt mich aber so auf die Palme, dass ich mir nicht anders zu helfen weiß als einfach mal zu schreien. Auch ich bin nur ein Mensch.

Akzeptieren lernen

Mein Hund gehört mir. Das klingt jetzt vielleicht hart, aber rechtlich ist er mein Eigentum. Solange ich nicht gegen das geltende Recht verstoße, kann ich mit ihm machen was ich will: Ich kann ihm die krallen bunt lackieren obwohls scheiße aussieht. Ich kann ihn scheeren obwohl es für einen Hund mit seiner Fellbeschaffenheit ziemlich ungesund ist. Ich kann ihn mit auf Volksfeste nehmen obwohl er total gestresst ist und es besser wäre ihn zu hause zu lassen. Wieso ich das kann? Weil ich nicht gegen das geltende Recht verstoße. Das alles tue ich nicht.

Das einzige was ich tue ist: Ich wünsche, dass mein Hund an der Leine kein Kontakt hat. Das kann vielerlei Gründe haben:

  1. Weil mein Hund ein kleiner aggressiver Gnom ist
  2. Weil mein Hund läufig ist
  3. Weil mein Hund krank ist
  4. Weil mein Hund und ich gerade üben
  5. ….
  6. Weil das so ist

Ich finde eigentlich, dass der letzte Punkt der Wichtigste ist. Eigentlich ist es völlig unerheblich, warum ich das so möchte oder nicht. Denn mein Hund ist immer noch mein Hund. So wie Anderer Leute Hund eben Anderer Leute Hund ist. Ich verlange nichts was andere Leute verletzt oder kränkt sondern äußere lediglich den Wunsch, dass mein Hund in Ruhe gelassen wird.

Ich Maße mir nicht an, über Anderer Leute Eigentum zu entscheiden – ebenso wie ich nicht möchte, dass andere Leute über mein Eigentum entscheiden. Wenn ich aber meinen Hund zu Anderer Leute Hund lasse, obwohl sie es nicht wollen, dann respektiere ich das Eigentum anderer nicht.

Muss ich diskutieren?

Ich wünsche mir, dass Hundehalter die Wünsche anderer Hundehalter bezüglich ihres Hundes akzeptieren. Man muss auch nicht drüber diskutieren, denn eigentlich ist der Grund des Wunsches doch irrelevant.

Vielleicht hilft so eine Diskussion auch, besser zu verstehen. Aber in der Retrospektive betrachtet: welche Diskussion über das „Warum“ hat unter Hundehaltern in oben beschriebener Situation den einen von seinem Denken abgebracht? Vor allem weil alle voreingenommen hinein gehen, das Thema Hund immer sehr emotional behandelt wird und man leider in solchen Situationen kaum sachlich bleiben kann.

Ich erfreue mich an den kleinen Dingen

Ich wechsele jetzt übrigens immer die Straßenseite, bevor ein unangeleinter Hund auf meinen zukommt. Ich mag mich nicht mehr rechtfertigen und ich habe kein Interesse an Konflikt. Ich freue mich aber, wenn andere Leute meinen Wunsch akzeptieren oder selbst sagen “Bitte kein Kontakt”. Denn dann weiß ich: es gibt noch mehr Leute, die so denken wie ich oder deren Hund ein ähnliches Problem hat wie meiner :)

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Andy ist seit 2012 Hundebesitzerin und ist für mehr Rücksicht, Toleranz und Akzeptanz von Hundebesitzern. Das schafft man nur wenn man mit gutem Beispiel voran geht und deshalb hat sie 2015 fair-auf-pfoten.de mitgegründet.

3 Gedanken zu “Ist Akzeptanz so schwer?

  1. Doris Gaess schreibt:

    Ich musste auch schon sehr oft erleben, dass meine Wünsche den Hund an die Leine zu nehmen nicht respektiert wurden. Gerade wenn man einen kleinen Hund hat, ist das immer noch schwieriger, weil das Gegenüber (Mensch) denkt, meinem Hund kann körperlich ja nicht viel passieren. Mein Yorkshire Terrier Lucky wurde im Alter von nur einem Jahr Opfer einer Rottweiler-Attake, bei der die Menschen absolut falsch reagiert haben. Sie hatten überhaupt keinen Einfluss auf den Hund und dieser hat meinen dann sehr schwer verletzt. Das muss doch nicht sein!!!!

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