Giftköder Hund

Giftköder und Fairness – Die Sache mit der Sache

Kann man bei dem Thema Giftköder eigentlich fair bleiben? Das ist wahrscheinlich schwierig, aber ich will hier für Dich versuchen – so sachlich wie möglich – etwas Licht in den Paragraphen-Dschungel zu bringen.

Erlaube mir bitte eine Eingangsbemerkung, damit im weiteren Verlauf keine Missverständnisse entstehen: “Vorsätzlich Giftköder auszulegen ist nicht zu entschuldigen und gehört konsequent bestraft. Da verstehe ich keinen Spaß!”

Die Geschichte des Tierschutzes

Fangen wir doch mal ganz vorne an. Tierschutz ist kein völlig neues Thema in der Bundesrepublik Deutschland. Das Tierschutzgesetz (TierSchG) stammt aus dem Jahr 1972 und erfuhr im Zuge der Förderalismusreform am 18. Mai 2006 eine Neubekanntmachung.

  • 1 TierSchG sagt seit dem: Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.

Klingt erst mal toll, aber was bitte wäre denn ein “vernünftiger” Grund, um einem Tier Schäden zuzufügen? Diese Norm enthält zahlreiche unbestimmte Rechtsbegriffe, die so hölzern daherkommen, wie die Kanzlerin beim Kinder trösten. So sind die Gesetze in Deutschland nunmal.

Tiere sind schützenswert

Entscheidend ist für mich aber die Erkenntnis des Gesetzgebers, dass Tiere schützenswert sind. Diese Erkenntnis hat sich dann ja auch im Jahr 1994 in der Einführung des Artikel 20a Grundgesetz niedergeschlagen, wonach der Umweltschutz zum Staatsziel erhoben wurde.

Wir beenden den kleinen Exkurs ins Staatsrecht an dieser Stelle und kommen mal zurück zum Zankapfel. Genau genommen zum vergifteten Zankapfel! Was genau ist denn jetzt so ein Giftköder rechtlich?

Das Dilemma mit der Sache

Wenn jemand einen Giftköder vorsätzlich auslegt, um damit  z.B. einen Hund zu töten macht er sich nach § 17 TierSchG strafbar. Das TierSchG kennt aber keinen strafbaren Versuch, weshalb eine Rückfallstufe nötig ist. Jetzt kann man sich natürlich unglaublich darüber aufregen, dass Tiere strafrechtlich wie Sachen behandelt werden, oder sich mit mir freuen, dass der Täter sich bei einer Sachbeschädigung bereits beim Versuch strafbar macht. Im Klartext: Mir ist es scheißegal nach welcher Rechtsvorschrift der Täter bestraft wird. Hauptsache er wird bestraft!

Konsequente Strafverfolgung von Giftködern

Bei der Sachbeschädigung handelt es sich allerdings um ein sog. “Antragsdelikt”. Diese Straftaten werden nur auf ausdrücklichen Wunsch des Geschädigten verfolgt, wohingegen der Verstoß gegen das TierSchG als sog. “Offizialdelikt” selbständig von den Strafverfolgungsbehörden verfolgt wird. Sofern sie denn davon Kenntnis erlangen. In jedem Fall ist also die Polizei aufzusuchen und auf das Delikt nach dem TierSchG hinzuweisen. Wird dieses dort nicht erkannt, bleibt noch der konkrete Strafantrag wegen einer versuchten Sachbeschädigung. Ich bin der Meinung: Wer Strafverfolgung will, muss diese auch gezielt einfordern und wird sie dann bekommen. Ansprechpartner ist in solchen Fällen ausschließlich die Polizei oder die Staatsanwaltschaft. Ordnungsämter verfolgen keine Straftaten! Die dortigen Umweltschutzbehörden sind nur gefahrenabwehrend tätig.

Die Statiskik zu Giftködern beim Hund

In der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) werden Vorfälle mit Giftködern nicht gesondert ausgewiesen, weshalb eine statistische Auswertung dieses Deliktsfeldes nur bedingt möglich ist. Diese Taten gehen in der allgemeinen Auswertung der Sachbeschädigungen und der Verstöße gegen das TierSchG unter. Wenn also jemand mit konkreten Zahlen zu diesem Thema argumentiert, sollte dich das schon mal nachdenklich machen. Hinzu kommen (nachweislich) erste Fälle hier in Hamburg, bei denen bewusst falsche Giftködermeldungen lanciert wurden. Hierbei ist es unerheblich, ob es sich um Wichtigtuer handelt, oder Hundegegner, die die Hysterie vieler Halter ausnutzen, um in ihrem Umfeld zeitweise hundefreie Zonen zu schaffen.

Alle meine Recherchen bei der Polizei und den Ordnungsämtern in verschiedenen Bundesländern haben ein entscheidendes Ergebnis hervorgebracht: Das Phänomen “Giftköder” gibt es tatsächlich und es verenden deshalb auch bedauerlicher Weise immer wieder Tiere qualvoll, aber die Fallzahlen sind nicht einmal im Ansatz so dramatisch, wie es in der Presse und auf einschlägigen Seiten im Internet dargestellt wird.

Sei wachsam

Ich will hier jetzt keine Entwarnung geben. Ganz im Gegenteil! Ich möchte dich nur bitten, dass Du wachsam und kritisch bleibst, auch anderen “Hundefreunden” gegenüber. Mach dir bewusst, was in einer konkreten Situation für konkrete Hinweise vorliegen und dann bewerte diese in Ruhe. Wenn deine Auswertungen einen Hinweis auf eine Straftat ergeben, dann bring diesen Vorfall bitte auch konsequent zur Anzeige.

Nur ein einziger Hund, der an einem Giftköder verendet, ist mindestens einer zu viel!

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Ich bin ein humorvoll gereifter Autor, der mit Frau und Hund in einer nahezu perfekten Symbiose in der Nähe von Hamburg wohnt. Frau, Hund, Computer und Schlagzeug füllen meinen Alltag und machen das Leben lebens- und lesenswert.

2 Gedanken zu “Giftköder und Fairness – Die Sache mit der Sache

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