augen

Der Hund kläfft die ganze Zeit!

Unser Hund bellt. Sogar oft, denn sie hat Angst vor Fremden und außerdem gehört das alles ihr. Wer das nicht weiß, bekommt es eben nett und freundlich erklärt! Erst stellt sie sich hin, dann spitzt sie die Ohren, dann knurrt sie. Und sollte jemand eben doch wagen, an unserem –pardon, ihrem- Grundstück vorbei zu gehen, dann bellt sie. Der wagemutigste Mensch bleibt stehen und unterhält sich mit Frauchen. Die allerletzte Stufe in Roxis Repertoire ist Bürste aufstellen, Lefzen hochziehen und kläffen, was das Zeug hält. Wenn es die Fremden doch nicht verstehen…?!

Das kommt nicht gut an

Bei den Nachbarn und fahrradfahrenden Kindern (nee, Fahrräder sind nicht nett, gehören auch in die Kategorie „Angstmacher“) kommt dieses menschenunfreundliche Verhalten gar nicht gut an. Erschreckt reissen die Kinder den Lenker um und überlegen sicherlich so manches Mal, welchen Umweg sie nehmen könnten, um nicht bei uns vorbei zu fahren. Roxi ist nämlich öfter draußen an der Schleppleine in Ermangelung eines eingezäunten Gartens. Bis zur Straße reicht die Leine natürlich nicht. Aber wer nichtsahnend um die Ecke biegt und plötzlich steht so ein 5-kg-Wutzwerg vor einem – der ärgert sich schon mal darüber.

Wenn ich mit Roxi spazieren gehe und den vorher verbellten Menschen begegne, wundern sie sich, wie nett der Hund doch sein kann. „Die bellt ja gar nicht!“ meinte ein Nachbarskind neulich, diesmal ohne Fahrrad.  Gut, streicheln lässt sie sich nicht von jedem. Aber wir wollen auch nicht übertreiben.

Nicht gebrauchsfertig

Unser Hund ist nicht gebrauchsfertig. Roxi ist jung, hat aber eine Menge hinter sich. Auf der rumänischen Straße musste sie um ihr Leben kämpfen. Im „öffentlichen Tierheim“ ebenfalls. Neun Monate hat sie dort verbracht, in Enge, Angst, vermutlich auch Kälte und Hunger. Das prägt. Danach hatte sie das Glück, in einer tollen Auffangstation weitere Monate genesen zu dürfen, bevor sie ihren Weg nach Deutschland antrat. Klein, schüchtern und dennoch vertrauensselig, damit hatte sie gute Chancen auf Vermittlung.

So kam es dann auch. Sie sprang sofort in unser Herz. Sie hat sich mir sehr schnell angeschlossen und vertraut mir. Vielleicht auch noch meinem Mann. Bei den Kindern hört es dann schon auf. Die erschrecken sie und sie wehrt sich. Beschriebe man diesen Hund in einer Anzeige, würde sich niemand melden: „Angsthund, lieb, verschmust, lustig, jung, geht gern spazieren. Schnappt aber, wenn Kinder zu aufdringlich werden. Kläfft und verteidigt. Hat Angst vor Fremden, lässt sich nicht von jedem anfassen. Keinen Spaß versteht sie, wenn man ihr das Futter wegnehmen möchte. Jagt Mäuse, Vögel sind schneller als sie. Nur in geduldige, erfahrene und verständnisvolle Hände abzugeben, am besten ohne Kinder und mit sicherem Ersthund.“

Tja, und nun hat sie es anders getroffen. Wir haben kleine Kinder und keinen sicheren Ersthund. Damit müssen wir jeden Tag umgehen. Doch ich weiß, dass andere Menschen sie so gemacht haben. Wir kommen mit ihr klar und jeden Tag zeigt sie uns ihre Dankbarkeit und ihre Lust am Leben.

Aber sie ist ein Tierschutz-Hund und die sind oft nicht gebrauchsfertig!

Toleranz und Verständnis?!

Meine Mitmenschen kommen nur bedingt damit klar. Es wäre doch so einfach, einen „netten“ Hund zu holen, der die Kinder nicht erschreckt. Ja, wäre es vielleicht! Unsere Kinder haben aber gelernt, diesen Hund zu lesen und ihr aus dem Weg zu gehen, wenn sie die Ohren anlegt. Sie gehen vorsichtig an fremde Hunde heran und bedrängen diese nicht (meistens… sie sind eben klein). Das ist für mich ein großes Geschenk, denn der Respekt vor fremden Hunden sollte da sein – man weiß ja nie!

Wir werden also weiter geduldig mit ihr sein und gaaanz laaangsam üben, aus Roxi einen Haushund zu machen. Dabei versuche ich, fair für die Mitmenschen zu bleiben. Wenn Kinder zu Besuch kommen, sperre ich Roxi ins Schlafzimmer, wo sie sich sicher fühlt und die Kinder dann auch. Ich lasse sie nicht von der Leine. Wenn sie einen schlechten Tag hat und nur kläfft, bleibt sie drinnen. Und natürlich vermittle ich dem Hund, was erwünschtes Verhalten ist.

Ich wünsche mir jedoch auch Fairness von meinen Mitmenschen. Dieser Hund hat eine Vergangenheit, die er nicht mal eben so ablegen kann. Geht nicht einfach auf sie zu und versucht, sie zu streicheln! Habt Verständnis, wenn sie nicht so funktioniert wie ein perfekt erzogener Hund aus einer Zucht!  Manchmal erschrecke ich mich über den Perfektionismus und die Erwartungshaltung der Mitmenschen. Sind Tiere nur geduldet, solange sie funktionieren

Hunde sind keine Maschinen mit Knöpfen. Aber allen gemein ist ihre Lebendigkeit und ihre bedingungslose Liebe, wenn sie ihren Menschen gefunden haben. Unser Modell hat eben Macken. Da sie das mit mir gemeinsam hat, liebe ich sie umso mehr.

Über die Autorin:

Silke Schön ist Online-Redakteurin für verschiedene Tierportale, zweifache Mutter und hat mit Roxi ihren dritten Angsthund aus dem Tierschutz.

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Das Projekt Fair auf Pfoten wurde im Juni 2015 ins Leben gerufen.

10 Gedanken zu “Der Hund kläfft die ganze Zeit!

  1. Stephanie schreibt:

    Ja, so ein Exemplar habe ich auch zu Hause – bellt alles an, was vorbei geht, an der Leine auch schon mal fremde Hunde – wobei das, je nach Hund, von leichtem Grollen bis zum „Hund von Baskerville“ gehen kann. Oder sie will partout an fremden Menschen nicht vorbei.
    Gracie ist groß, das hilft nicht, das uns andere Menschen mit Verständnis begegnen. So ein großer Hund kann ja wohl keine Angst haben…und dann die ganzen, tollen Tips.
    Zum Glück gibt es den ziemlich gelassenen Ersthund, das hilft ein bißchen.
    Aber wir lieben Sie, unsere Zimtzicke – sie hat schon eine Menge gelernt – und sie wird nicht mehr hergegeben.
    Seit 4 Jahren ist sie jetzt bei uns – wieviel da bei ihr noch zu machen ist, kann niemand sagen – aber das ist uns egal :-)

    Danke für den tollen Blog und Hut ab – denn mit Kindern hätten die meisten sich auf einen Hund wie Roxi nie eingelassen bzw. sie schon abgegeben. Ich drücke Euch ganz fest die Daumen :)

    • Silke Schön schreibt:

      Hallo Stephanie,
      ich ticke da genauso wie Du. Roxi ist eben da und sie gehört nun zu uns! Gut, ich hatte zwischendurch auch mal Zweifel, ob WIR die richtigen für SIE sind… denn es ist nicht schön, sie gestresst zu sehen, nur weil der Kleine einen Wutanfall hat. 😉 Aber wenn ich ruhig bin – ist sie es auch. Danke für Deinen schönen Kommentar!

  2. Axel Löwenstein schreibt:

    Hallo Silke!

    Vielen Dank für deinen Beitrag zu unserem Projekt.

    Ängstliche Hunde sind ganz offensichtlich ein wichtiges Thema. Dazu wird es hier ganz bald noch mehr geben.

    Gruß Axel

  3. Anja R schreibt:

    Es ist schön zu sehen/lesen, daß auch andere sich mit solchen „Zecken“ Mühe geben!!!
    ich habe meine Anny nun das 3 1/2 te Jahr , aus Griechenland. sie ist ein ZwergPinscherMädel mit einigermaßen übersteigertem Selbstbewußtsein ! 😉 war nicht einfach .. sie hatte vor fast Allem Angst , und ist der Typ der „Angriff ist diebeste Verteidigung“ auf der Fahne stehen hat !
    sie hat : Männer(!) , Roller,Mofas, Skater;Jogger, Leute mit Taschen,Stöcken(!) ,Leinen in der Hand; Hunde aller Größen, knallen,lärmen,….etc…pp… auf dem Kieker gahabt ….
    und ist auch die Kategorie : „Oh wie süüüß-Streicheln-woll-Hund“ mannmannmann, hab ich mich häufig entschuldigen, rechtfertigen u erklären müssen …
    Aber : Dank einiger Leute, die mit geduldig waren ( u.A. mein gesamter Chor) ist sie heute der liebenswerteste kleine Napoleon im Dorf und unterwegs !!! nur griechisch darf man sie nicht ansprechen 😉
    das erste 1/4 Jahr hab ich fast täglich gedacht wir packen das nicht (trotz extrem tiefenentspanntem Ersthund) ; nun sind wir ein super Team ; und sie macht auch Alles mit , was neu erlernt wird ! sie ist „gefallsüchtig“ und diesen „Schwach“-Punkt haben wir gut genutzt !
    letztendlich : ich würde Jedem sazu raten ,ein solch „mißratenes“ Hündchen aufzunehmen und Zeit und Geduld zu investieren …die Lütte ist ( ohne unfair meinem geliebten Ersthund gegenüber sein zu wollen) mein Sonnenscheinchen ! mittlerweile lieb und nett zu Jedermann- den ICH für gut befinde 😉 – aber immernoch eine super Wächterin und Verteidigerin !!!
    LG Anja ,ANNY , und Mylow

  4. Steffi schreibt:

    Hallo bei meinem Hunde Kind ist das genau umgekehrt. Er bellt nicht weil er Angst vor irgendetwas hat . Er Bellt weil er der König der Welt ist. Alles was er sieht ist Seins . Da hat kein Fremder etwas zu suchen. Autos gehören nicht auf seine Straße, Motorräder natürlich auch nicht . Kinder mit Fahrzeugen sind ok solange es die Nachbarskinder sind. Alles an Erwachsenen, Hunden , Katzen ( außer es sind unsere ) Vögel, Blumenkästen oder Anhängern haben nichts auf seiner Straße zu suchen. Er macht dann voll einen auf Kampfzwerg und Schreit wie ein blöder ( er kann nicht richtig Bellen es ist ein acd)
    In unserer Garage kann er aber jedem Hund und Menschen usw begegnen ohne Probleme und wer einmal mit ihm in der Garage war ist Ausnahmslos sein Freund.
    Angst hat er vor nix und niemand , aber alle haben Angst vor meinem Hund.

    • Axel Löwenstein schreibt:

      Hey Steffi!

      Ich fasse mal zusammen: Du besitzt einen schreienden Kampfzwerg, der einen erst mag, wenn man mal mit ihm in der Garage war. Außerhalb der Garage ist grundsätzlich Schreizone.

      Oh man, mein Horton ist irgendwo zwischen Roxi und deinem Hund. Mal ängstlich und dann wieder größenwahnsinnig! 😉

      Gruß Axel

  5. Christine schreibt:

    Hallo Silke!
    Du schreibst, dass die Hunde vom Züchter „gebrauchsfertig“ wären. Das kann man nicht daran fest machen, ob ein Hund vom Züchter oder aus dem Tierschutz kommt. Auch von Züchtern kommen Hunde, die Angst haben. Nehmen wir mal an, der Hund ist auf dem Land aufgewachsen und zieht dann mitten in eine Großstadt. Da nutzen alle „Prägungen“ nichts, der Hund kann genauso ängstlich sein, da es eine total ander Welt für ihn ist.
    Ich habe eine Hündin vom Züchter, die auch ängstlich ist. Ich hatte einen souveränen Ersthund, und trotzdem war sie ängstlich. Erst als sie alleine war, wurde sie souveräner und traute sich mehr. Klar werden Sachen unterwegs, die sonst nicht da stehen, schräg angeschaut, angeknurrt und großzügig umgangen, auch Menschen findet sie nicht toll, nur die, die sie kennt, obwohl mein Ersthund grundsätzlich alle Menschen freudig und zum Teil anspringend begrüßt hatte (wenn sie sich nicht von meinem Reden beeindrucken ließen).
    Ich hatte beides zu Hause. Einmal überfreundlich zu Menschen und Kinder (allerdings groß und schwarz) und ängstlich, (allerdings klein und süß). Mit beiden hatte ich bei den Mitmenschen Probleme. Der eine war zu wild, und die andere zu ängstlich.
    Ich habe meinen Ersthund geliebt, und liebe auch meine kleine Maus. Aber ich habe gelernt, dass ich mich auf meine Hunde und deren Bedürfnisse einlasse und mich darum kümmere, und nicht darauf achte, was andere Menschen über mich und meine Hunde reden. Ich versuche, Konflikten mit anderen Menschen ohne Respekt und Verständnis für Hunde aus dem Weg zu gehen und lasse die Leute reden, was sie wollen. (ui,…der ist ja gefährlich, der schwarze…..wäre man mit dem mal in der Hundeschule gewesen,….(ich bin mit meinem „alten Herr“ Obedience-Tuniere gelaufen ;-)) Ich erziehe meine Hunde so, dass sie zu MIR passen, nehme Rücksicht auf meine Hunde und lerne /lernte ihnen, relativ konfliktfrei an anderen Menschen vorbei zu gehen und sich nicht darum zu kümmern, denn letztendlich bin ich diejenige, die mit den Hunden lebt, und für mich war mein „alter Herr“ und ist meine kleine Maus das Beste, was mir passieren konnte, egal, was die anderen reden :-)

    • Silke Schön schreibt:

      Liebe Christine!
      Natürlich hast Du Recht. Es gibt in jeder Rasse oder von jeder Herkunft schwierige oder ängstliche Hunde. Es ist ja auch nicht alles anerzogen, manchmal kommt das Naturell ins Spiel. 😉 Es war eine bewusst überspitzte Formulierung. Auch und gerade an Rassehunde werden enorm hohe Anforderungen gestellt, schließlich kosten sie viel Geld und sind ja perfekt geprägt usw. Soweit das Ziel. 😉 Dass Deine ängstliche Hündin sicherer wurde, als sie allein war, finde ich spannend. Ich wünsche Euch weiterhin gute Nerven beim Nicht-Erfüllen der Erwartungen und eine wunderbare Zeit!

  6. Liz schreibt:

    Ich finde das echt schön wie du beschreibst, dass eure Kinder gelernt haben wie sie mit Roxy umgehen können, ich schätze mal das ist wahrscheinlich eine der größten Herausforderungen, denn die Fremden die der Hund anbellt, die kann man hinterher ja wieder vergessen, bei den eigenen Kindern klappt das halt nicht 😉 Ich finde es bewundernswer,t dass ihr das so hinkriegt.
    Unser Hund ist ein bisschen ähnlich, zwar kein Straßenhund, aber auch nicht unbedingt die schönste Vergangenheit, und ich bin wirklich gespannt wie das mit Kindern mal wird.
    Ich finde es auch wichtig sich das as du geschrieben hast als Hundehalter immer wieder vor Augen zu halten: Ja, wir wollen fair auf Pfoten sein, aber unsere Hunde sind Lebewesen und keine Maschinen, und manchmal „funktionieren“ sie einfach nicht so wie sich der Großteil der Mitmenschen sich das vorstellt und wünscht… und sich dann eben trotzdem um die Bedürfnisse des Hundes zu kümmern und nicht dem Perfektionsdruck nachzugeben ist glaube ich das A und O.

    Mir kommen immer wieder Leute antgegen, die direkt auf mich und meinen Hund zu laufen und mich dann noch mit lauter Stimme ansprechen (Hund bellt natürlich) und die dann meinen „Ich hätte da noch ein Erziehungsbuch für Hunde, das kann ich dir mal geben“…. Ich versuche zwar immer zu erklären dass unser Hund hier keine Probleme mit Erziehung hat sondern einfach eine riesige Portion an Geduld und Ruhe braucht, aber damit stößt man meistens nur auf verwunderte Gesichter, und so langsam hab ich auch gar keine Lust mehr mich ständig dafür zu rechtfertigen..

    • Silke Schön schreibt:

      So geht es mir auch, Liz. Vielleicht muss man auch nicht alles erklären, die meisten möchten sich eh nicht infrage stellen. 😉 Geduld und Ruhe sind auch hier die Schlüsselwörter. Und das mit den Kindern… klappt mal besser, mal schlechter! Aber so ist das eben in einer Familie, da ist nicht jeder Tag super, auch nicht bei den Hunden. Dennoch bin ich froh, dass unsere Kinder die Erfahrungen machen dürfen. Es ist eben nicht jeder Hund sofort nett. Alles Gute für Dich und Deinen Hund!

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